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Losgelöste Kinder



WAZ, 11.11.1998 

"Losgelöste" Kinder lernen viel besser


Das mobile Klassenzimmer macht Kinder körperlich überlegen. Außerdem können sie sich besser konzentrieren. 
Das sind zwei Ergebnisse eines Großversuchs der Universität Essen.


 
 

Essen, 10. 11. (dpa) Kinder, die sich im Unterricht bewegen dürfen, können sich besser konzentrieren als ihre Altersgenossen. Sie sind ihnen auch körperlich überlegen. Das sind die Ergebnisse eines Projekts der Universität/Gesamthochschule Essen und einer Essener Grundschule.

Vor drei Jahren hatten Schüler der Hövelschule feste Tische und Stühle gegen mobile Würfel und Schaukelsitze ohne Rückenlehne eingetauscht. "Die Kinder können ich nicht nur besser konzentrieren, sondern sitzen auch gerader", berichtete der Sportpädagoge Gerhard Landau von der Universität Essen am Dienstag. Das Projekt soll nun auch an hessischen Schulen und an Kindergärten Schule machen.

Wechselten bisher etwa zwei Schüler der Grundschule auf das Gymnasium, waren es bei der mobilen Klasse elf. Die verrückbaren Möbel haben damit auch für eine neue Form des Unterrichts gesorgt. "Viele Alltagssituationen lassen sich in einem mobilen Klassenzimmer besser umsetzen", sagte Grundschullehrerin Monika Matthias, die die mobile Klasse drei Jahre lang unterrichtet hat. So würden im Unterricht Märchen nachgespielt oder die Wartehalle eines Flughafens nachgebaut. Zuerst sei der Unterricht zwar lauter als sonst, allerdings baue die Bewegung auch innere Unruhe ab.

Die Möbel lassen sich zu einer Bühne oder zu Sitzecken immer wieder neu zusammenstellen. Während der Stunden können die Kinder im Schneidersitz balancieren, auf der Kante der halbmondartigen Stühle sitzen oder darauf knien. Die Schüler seien ihren Altersgenossen in der Körperkoordination überlegen, erklärte Landau. Das Sitzen ohne Lehne sei gesünder für den Rücken, weil die Kinder schneller ihr Gleichgewicht fänden.



© Krefelder Studio für Alexander-Technik - Letzte Aktualisierung 11.06.2017